Wer stirbt schon gerne vor seiner Zeit?

An einem Tag, der die Erinnerung des Sommers in sich trägt,

und die Verheißung bunter Herbsttage.

An dem das Leben nach Umarmung ruft,

weil es geliebt und gelebt werden möchte.

Ein lauer Wind flüstert von Sehnsucht –

von duftenden Sommerwiesen, kühlem Gras,

und einem Leben, das vielleicht kaum eines war.

Es gibt keinen guten Tag, um zu sterben,

wenn die Zeit noch nicht gekommen ist.


Immer wieder heißt es, vegan zu leben, sei extrem. Wenn Sie auch zu den Menschen gehören, die so denken, möchte ich Sie gerne fragen, ob Sie Frieden als etwas Extremes empfinden. Wahrscheinlich nicht. Sie möchten gerne in Frieden leben, ohne die Angst ihr Heim, ihre Arbeit, ihr Leben oder ihre Familie zu verlieren. 

Die vegane Lebensweise basiert auf einer Lebenseinstellung, die nach einer friedlichen Koexistenz mit allen Lebewesen strebt. Sie bedeutet gelebte Toleranz und Akzeptanz gegenüber allen, auch wenn sie vier Hufe, Pfoten oder Federn haben. Daher ist das Wort ‚extrem‘ für den Veganismus alles andere als zutreffend, auch deshalb, weil die vegane Küche sehr reichhaltig, gesund und schmackhaft ist. 

Frieden ist nicht extrem, sondern ein wünschenswerter Zustand und erklärtes Ziel der meisten Menschen auf diesem Planeten. Leider sind wir noch ziemlich weit davon entfernt und führen sogar Krieg gegen Wesen, die nicht einmal wissen, was dieses Wort bedeutet. Wahrer Frieden kann und darf nicht jene ausschließen, die sicher gut die Hälfte der Lebewesen auf dieser Erde ausmachen: die Tiere. Und im Gegensatz zum Menschen haben sie keine Waffen, um sich zu wehren oder zu verteidigen. Die Ausrottung vieler Tierarten ist erschütternd und ebenso das, was in deutschen Wäldern geschieht.

Schlachthöfe sind Kriegsschauplätze. Gut versteckt hinter hohen Mauern und Stacheldrahtzäunen wird ein ungleicher Krieg geführt, doch kein TV-Sender ist live dabei und berichtet in gewohnter CNN-Manier vom Blutvergießen an Unschuldigen. Keine Bomben fallen, keine Raketen werden abgefeuert, still und leise werden in der Früh die Messer gewetzt und die Opfer vor ihrem Tod oft genug noch malträtiert und gequält. Es ist ein Krieg, der von einem Großteil der Bevölkerung akzeptiert wird, weil die meisten Menschen nicht den Mut haben, auch nur ansatzweise hinter die Kulissen dieser blutigen Schauplätze zu blicken. 

Es ist ein ungerechter und vermeidbarer Krieg - so wie es alle Kriege letzten Endes sind. 

Frieden beginnt tatsächlich auch auf dem Teller. Wer bereit ist, sich dem Leid zu stellen und Herz und Augen zu öffnen, wird schnell begreifen wie viel Grausamkeit und Qual hinter der Fleisch-, Milch- oder beispielsweise Eierindustrie stecken, in der die männlichen Küken, kaum das sie geschlüpft sind, bei lebendigem Leib in einen Shredder geworfen werden. Vor Ostern ist das blutige Schicksal vieler Lämmer bereits besiegelt. Trächtige Kühe werden ohne Rücksicht geschlachtet, für das Ungeborene bedeutet das einen qualvollen Erstickungstod, der bis zu einer halben Stunde dauern kann. Diese Erde ist in jeder Sekunde die vergeht, buchstäblich getränkt mit dem Blut der Tiere.

Wer sich mit all diesem Leid auseinandersetzt, wird schnell erkennen, dass nicht die vegane Lebensweise extrem ist, sondern das, was der Mensch den Tieren antut.


Wir stehen vor enormen Herausforderungen, wie wir das Überleben auf diesem Planeten auch für kommende Generationen sichern können und diese Sorge sollte allen Bewohnern gelten und die Aufgabe ein erklärtes gemeinsames Ziel sein. Wir entwickeln uns als Menschen beständig weiter und tragen vor allem Eines: Verantwortung. Diese Verantwortung liegt in den Händen von jedem Einzelnen und ist eine persönliche Entscheidung mit weitreichenden positiven oder negativen Konsequenzen. Sie kann und darf nicht auf politische oder sonstige Institutionen abgeschoben werden, denen nur um wirtschaftliche Interessen geht. Aber genau deshalb sind wir als die sogenannten Verbraucher eigentlich auch so mächtig.

Sätze wie „Das war immer schon so“, hätten die Menschheit niemals vorangebracht. Daher kann das Argument „der Mensch hat schon immer Fleisch gegessen“ keines dafür sein, dass er es weiterhin tut. 

Eine tierleidfreie Ernährung leistet einen enorm wichtigen Beitrag, wenn es um die Verschwendung von Ressourcen auf diesem Planeten geht. Die Massentierhaltung ist mittlerweile einer der Hauptverursacher für die Abholzung von Regenwäldern, den Hunger in ärmeren Ländern, die Überdüngung der Felder, Monokulturen und den Treibhauseffekt. 

In was für einer Welt möchten wir leben? In welcher Welt sollen zukünftige Generationen leben? Wollen wir die Erde wie bisher ausbeuten und mit Chemie vergiften, als gäbe es kein Morgen? Wollen wir einen Großteil der Bewohner weiterhin ausrotten, unterwerfen und töten? Warum sollten wir das anderen fühlenden Lebewesen antun? Wünschen wir uns nicht alle eine Welt des friedlichen Miteinanders?


Wer stirbt schon gerne vor seiner Zeit?

Nicht die Menschen, und auch nicht die Tiere.

Kein Tier ist ein Nutztier,

sondern Teil des großen Ganzen, wie ich es bin.

Ihre Sehnsucht nach Leben ist auch die meine.

Und ihr Glück. Ihre Liebe. Ihre Freude.

Ihr Kummer. Ihr Schmerz.

Ihre Angst. Ihr Leid.




©Daniela Böhm 2018